Energy Sharing in Obersulm: Vom Interesse zur Initiative

Das Klimaforum Obersulm hat eine Veranstaltung zum Thema Energy Sharing organisiert. neugemacht unterstützte die Vorbereitung fachlich. Die Veranstaltung zeigte, wie groß das Interesse an lokalem Energy Sharing ist – und welche Hürden der Umsetzung noch im Weg stehen.

 

Überraschend groß war das Interesse am Thema: „Energy Sharing, was ist das?“
Knapp vierzig Besucher waren trotz Urlaubszeit nach Affaltrach gekommen, um den Ausführungen des Referenten vom Forum zu folgen. Was macht das Thema so attraktiv?

Es geht um die Frage, was mit lokal, mittels PV-Anlagen erzeugtem Strom geschehen soll.
Übliche Praxis: aller PV-Strom-Überschuss wird mit aktuell 7,5 Cent Vergütung ins Netz gespeist, dann an der Strombörse gehandelt und zum ca. fünffachen (!!) Preis von anderen Verbrauchern zurückgekauft! Möglicherweise vom Nachbarn des Erzeugers.
Bei den Gemeinden ist dieser Missstand besonders krass: viele Dächer von deren Einrichtungen erzeugen jede Menge Strom, der z.B. in Obersulm vom Schwimmbad aber nicht genutzt werden kann. Zehntausende von Euro könnten gespart werden, wenn dieser Strom übers Netz zu den kommunalen Verbrauchern käme.

Mit dem am 01.06.2026 in Kraft gesetzten §42c EnWG ist das nun grundsätzlich möglich.
Das Gesetz beruht auf EU-Richtlinien von 2018. Diese verfolgten folgende Ziele:

  • Demokratisierung des Strommarktes
  • regionale Wertschöpfung
  • Unabhängigkeit von fossilen Energien
  • Stabilisierung der Netze

Die Netzbetreiber sind nun gesetzlich verpflichtet, ihre Netze für den Handel mit lokal erzeugtem Grünstrom zur Verfügung zu stellen.
Leider gibt es für die Umsetzung viele restriktive Hürden:

  • es muss das volle Netzentgelt bezahlt werden (0,14 €/kWh)
  • nur 5% der Haushalte sind mit Smart-Meter Messeinrichtungen ausgestattet, ohne die können getauschte Strommengen nicht bilanziert werden
  • es gibt keine Musterverträge und keine Koordinierungsstelle
  • die Bundesnetzagentur sperrt sich gegen die Umsetzung von §42c durch die Netzbetreiber

Unser Nachbar Österreich macht das anders. Dort gibt es Energy-Sharing seit 2021, ein Smart-Meter-Rollout von 98 % und über 10.000 sehr erfolgreiche Sharing-Communities.
Nach ausführlicher Diskussion und viel Applaus war die Stimmung eindeutig: warum nicht mal dem Vorbild Österreich folgen anstatt entmutigt aufzugeben?
Besonders erfreulich: ein Viertel der Teilnehmer will handeln und sich an einer Initiative zur Gründung einer Sharing-Community beteiligen.

neugemacht freut sich darüber, dass das Interesse an Energy Sharing vor Ort bereits in konkrete Handlungsbereitschaft übergeht. Jetzt kommt es darauf an, daraus ein tragfähiges Projekt mit klaren Rollen und einem realistischen Weg zur Umsetzung zu entwickeln.

 

Quelle der Veranstaltungsinhalte:

Veranstaltung des Klimaforums Obersulm: Großes Interesse an Energy Sharing – Obersulm